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Das historische Pfingstereignis und meine persönliche Pfingsterfahrung

Jesus reist durch Samarien und trifft dort an einem Brunnen eine Frau. Über den natürlichen Anknüpfungspunkt der Bitte um Wasser entspannt sich ein Gespräch über übernatürliche Themen.[1] Mit ihrer theologischen Frage nach dem „richtigen“ Ort der Anbetung lenkt Jesus ihre Aufmerksamkeit zunächst einmal auf Gottes Wesenszug: Er ist Geist![2]

Seit Jahrhunderten bekennen Menschen regelmäßig: „Ich glaube an den Heiligen Geist“. Das entspricht meinem Herzen, ich glaube an die Sendung des Heiligen Geistes zu Pfingsten, das damalige „Pfingstereignis“ in Jerusalem. Historisch einmalig geschieht hier etwas, was an Spektakularität kaum zu überbieten ist: In diesem Raum dort in Jerusalem, genannt der „Obersaal“, erleben die dort versammelten Jünger den Heiligen Geist in Form von Wind, Sturm, zerteilte Zungen wie von Feuer, fremde Sprachen und Bewegung.[3]

Das äußerlich Spektakuläre ist eine Sache, eine andere das Ergebnis: Die Jünger kommen in eine innere Freiheit hinein, die sie vorher nicht hatten: Petrus, der vorher Jesus noch verleugnet hat, wird zum Mega-Prediger, viele tun Buße, lassen sich taufen und kommen zur Gemeinde.[4]  Jesus hatte seine Jünger bei seiner Himmelfahrt mit einer klaren Anweisung ausgestattet: In Jerusalem auf die Erfüllung mit dem Heiligen Geist warten![5] Und er fügt hinzu: „Ihr werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden.“[6]  

„Taufe im Heiligen Geist“

Dieser Begriff wirkt eher sperrig und wird nicht unbedingt von jedem im Zusammenhang mit Pfingsten genutzt. Aber schauen wir den Bibeltext genau an, so sehen wir: Ja, genau das „feiern“ wir am kommenden Wochenende. Statistisch gesehen tun sich die meisten Deutschen wohl am schwersten mit dem tieferen Sinn dieses christlichen Festtags. Und vor allem damit, was das für uns heute praktisch bedeutet. Selbst kirchlicherseits fällt es nicht immer leicht, zu erklären, was genau geschieht, wenn wir über die Verleihung des Heiligen Geistes sprechen, die in kirchlicher Tradition in der Tradition der Firmung oder gar Versiegelung wiederzufinden ist. Hier wörtlich von einer Taufe zu sprechen, tun sich viele sehr schwer. Aber Jesus selbst tut das![7]

Und auch genau mit dieser Beschreibung kündigt Johannes der Täufer Jesus selbst an: Er ist der „Täufer im Heiligen Geist“ und mit Feuer.[8] Jesus selbst spricht zur Volksmenge im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist über „Ströme lebendigen Wassers“[9] und zur oben genannten Samariterin über das Wesen Gottes als Geist, der eine „Anbetung im Geist“ möchte[10], ohne genauer zu erklären, wie man das macht und wie das denn funktioniert. All das sind aber Bilder, die uns verstehen helfen, wie das mit dem Heiligen Geist praktisch zu sehen ist. Jesus dient außerdem dieser Frau, indem er ihr prophetisch-offenbarend aufzeigt, was die eigentlichen Probleme ihres Lebens sind.[11] Und er ermutigt an anderer Stelle dazu, den Vater im kindlichen Vertrauen um den Heiligen Geist zu bitten,[12] dieser würde keinen Skorpion für ein Ei oder eine Schlange für einen Fisch geben.

Meine persönliche Erfahrung

In freikirchlich-pfingstlicher Tradition aufgewachsen traf ich im Teenageralter eine bewusste Glaubensentscheidung für Jesus, die ich völlig ernst nahm und die bis heute lebensprägend für mich geworden und unverändert geblieben ist. Eine tiefe innere Überzeugung und Sicherheit erfüllten mich, heute würde ich sagen, der Heilige Geist war in mir, ich war von neuem geboren. Wenige Zeit später wurde ich ermutigt, durch mein persönliches Gebet den Vater um die Fülle im Heiligen Geist zu bitten. Obwohl ich in einer Pfingstgemeinde aufgewachsen war, hatte ich davon damals nicht allzu viel mitbekommen. Aber ich wollte das, was mir beschrieben wurde. Wir knieten nieder, ich erhielt Anleitung, Gott mehr zu danken als zu bitten – und ich tat das. Ich weiß heute nicht mehr genau, wie lange das Gebet dauerte, vielleicht eine Stunde.

Was dann geschah, war für mich persönlich ähnlich spektakulär, wie beim historischen Pfingsten: Auf einmal war eine übernatürliche Kraft zu spüren, es war wie ein Feuer, da fing etwas an zu brennen! Und ich fing an in einer Gebetssprache zu sprechen, die ich nicht gelernt hatte. Melodisch schöne Silben, Phrasierungen, einzelne Worte, Sätze kamen aus meinem Mund, zuerst wenig, dann immer mehr und vielfältiger. Nein, verstehen konnte ich sie nicht. Mir wurde nichts vorgesprochen, ich wurde nicht bedrängt, rein gar nichts. War das eine „extatische“ Erfahrung? Nein, keineswegs, aber unwahrscheinlich schön, mit großer, übersprudelnder Freude.  

Ja, man legte mir die Hände auf und ermutigte mich freundlich – und dann geschah es einfach. Für mich war das, wie von Johannes dem Täufer beschrieben, wie eine „innere Taufe“, der Heilige Geist „auf“ mir, würde ich heute sagen. Wie frisch gebadet oder geduscht verließ ich diese Versammlung und spürte einen enormen Drang zum Gebet. Es war eine Krafterfahrung, wie Jesus sie seinen Jüngern eindrücklich verheißt,[13] irgendwie mein eigenes kleines Pfingstfest. Das war übrigens noch vor meiner Taufe im Wasser durch Untertauchen, um die ich wenig später dann bat. Diese Gabe des Sprachengebets praktiziere ich seit damals mit großer Begeisterung, nicht täglich, aber fast täglich – und das seit über 40 Jahren!

Mein persönliches „Pfingsterlebnis“ wurde später erweitert, indem ich anfing, in prophetischen Worten und Bildern zu sprechen, in der Form, wie das der Apostel Paulus im Brief an die Korinther[14] beschreibt. Auch hier war es zunächst zaghaft und vorsichtig, im Laufe der Zeit immer mehr und konkreter. Dies geschieht öffentlich oder im kleinen vertrauten Rahmen. 

Theologisch unerfahren – und doch voll Kraft

Als damals noch junger Christ hatte ich theologisch nicht so viel Ahnung, aber ich merkte, wie Kraft kam, beispielsweise in der Schule keine Mucke zu sein, sondern mich klar zu Jesus zu bekennen. Ich lernte von der ersten Gemeinde, dass sich diese Krafterfahrung bei ihnen wiederholte[15] und das Ergebnis sah ich bei mir auch: Freimütigkeit über Jesus zu reden!

Immer und immer wieder habe ich seitdem diese Erfahrung von Kraft im Zusammenhang mit der Bitte um den Heiligen Geist gemacht: Gott hört auf ein kindliches Gebet und gibt diese „Salbung“, um es mit einem alttestamentlichen Wort zu sagen. Irgendwie ist das so einfach und doch ein Geheimnis. Und ich lernte auch, dass die erste Gemeinde ebenso diese Erfahrung gemacht hat, dass Menschen, die diese „Taufe im Heiligen Geist“ erlebten, anfingen in ihnen unbekannten Sprachen zu reden.[16]

Im Laufe der Jahre lernte ich die Bedeutung des Sprachengebets für mich persönlich immer mehr schätzen. Es geschieht dadurch wirklich eine starke innere Erbauung,[17] wie der Apostel Paulus schreibt. Mein Verstand hat davon nicht allzu viel, bleibt „fruchtleer“[18], auch das sagt Paulus. Wenn ich auf meinem Home-Trainer sitze, hat mein Verstand auch nicht so viel davon, aber meine ganze körperliche Fitness. So kann ich sagen, dass das regelmäßige Gebet in Sprachen, das ich für mich persönlich gerne leise, halblaut oder ganz laut praktiziere, meine geistliche Fitness enorm stärkt. Und ich rede zu Gott[19], und das tut einfach gut! Manchmal klingt es wie Geheimnisse, aber auch das ist biblisch.[20] Oder ich setze ich mich an mein Klavier, schließe die Augen, verlasse bekannte Lobpreistexte (die ich übrigens sehr liebe) und singe in dieser himmlischen Sprache.

Kann ich mich dafür einfach so entscheiden? Meine Erfahrung ist dazu eindeutig „ja“. „Ja“ sagt auch der Apostel Paulus, wenn er über „ich will beten im Verstand, ich will beten im Geist“[21] redet. Das Gleiche sagt er über das Singen. Und ihm ist die Feststellung wichtig, dass er mehr in Sprachen redet, als alle anderen.[22]

Aber wie ist das in der Gemeinde?

In der Gemeinde will Paulus aber lieber fünf Worte im Verstand reden, als zehntausend in Zungen.[23] Viele schließen fälschlicherweise daraus, dass das Zungen- oder Sprachengebet (der Begriff ist übrigens austauschbar) nur für sich persönlich praktiziert werden darf, keineswegs aber in der Gemeinde. Ich finde, dass das ein Missverständnis ist. Es gibt verschiedene Arten von Sprachenrede.[24] Sprachenrede, die eindeutig als ein Gebet an Gott gerichtet ist, kann und soll genauso in der Gemeinde geschehen wie persönlich. Das braucht keine Auslegung! Welche eine Kraft ist darin, wenn eine Gemeinde gemeinsam und ggf. auch laut in Zungen betet. Ich liebe das! Aber es muss „zu Gott“ sein!  

Dann gibt es Sprachenrede zu Menschen. „Ich habe eine Sprachenrede mit Auslegung“, kam während des Gottesdienstes am letzten Sonntag eine Frau zu mir als Leiter der Versammlung. Ebenso, wenn prophetische Bilder oder ermutigende Worte da sind. Nicht immer aber oft geben diese Menschen dies direkt weiter, manchmal sammeln und bündeln wir, geben diese seitens der Leitung indirekt weiter. Die Praxis ist in Pfingstgemeinden sehr unterschiedlich – aber es ist Offenheit da!

Und wenn ein Christ nicht in Sprachen beten kann?

„Ist er dann weniger wert?“, werde ich immer wieder gefragt. Keineswegs! Ein Mensch, der die lebensverändernde Jesus-Beziehung erfährt, empfängt den Heiligen Geist, wie Jesus selbst es zu den Jüngern nach seiner Auferstehung sagt.[25] Wie er dieselben Jünger wenig später ermutigt, auf die Taufe im Heiligen Geist zu warten, ermutige ich: „Strebe danach, das Sprachengebet und andere Gaben zu empfangen!“ Ich denke, dass diese Gabe für jeden(!) Christen ist, wenn er sie denn nur möchte!    

Über Denominationsgrenzen hinaus

Ich finde es ermutigend zu sehen, dass die Taufe im Heiligen Geist und das zeitweilig be- und um kämpfte Sprachengebet heute durchgehend in fast allen Denominationen und Gemeinschaften zu finden ist. Die Begrifflichkeiten und die Praxis sind verschieden, aber Menschen erleben die Erfüllung, diese Taufe, diese Gnade – eben ihr persönliches Pfingsten. Und sie fangen an in der Kraft des Heiligen Geistes zu leben und zu dienen. Nachfolge und Dienst, von Jesus öffentlich zu reden, macht auf einmal Freude, es ist wie der eingeschaltete Turbo!

Ja, in der Tat, es ist nicht nur ein kopforientiertes Christentum, sondern hat durchaus viel mit Erleben zu tun. Aber ist das unbiblisch? „Schmeckt und seht“[26], predigt schon der Psalmschreiber sehr erfahrungsorientiert – und das zieht sich durch die ganze Bibel. Es ist für mich ein Unterschied, ob ich in einer Gemeinde bin, die Lieder „kopforientiert“ singt oder Bibelstellen rezitiert. Das ist an sich nicht schlecht. Aber da wo eine Gemeinde mit denselben Liedern und gleichen Worten, aber mit einer veränderten Haltung im Geist anbetet, fließe ich im Heiligen Geist mit, hebe meine Hände, klatsche begeistert oder kniee in stiller Anbetung nieder.

Pfingsten kann man wirklich fühlbar und begeistert feiern! Ich werde es auch dieses Jahr wieder tun!

Frank Uphoff  

Bibelstellen im Artikel


[1] Johannes 4 | [2] Johannes 4,24 | [3] Apostelgeschichte 2, 2-4 | [4] Apostelgeschichte 2, ab 14 | [5] Apostelgeschichte 1,4 | [6] Apostelgeschichte 1,5 | [7] Dto. a [8] Matthäus 3,11, Lukas 3,16 | [9] Johannes 7,39 | [10] Johannes 4,24 | [11] Johannes 4,29 | [12] Lukas 11, 11-13 | [13] Apostelgeschichte 1,8 | [14] 1. Kor 12, 4ff. | [15] Apostelgeschichte 4, 31 | [16] z.B. Apostelgeschichte 10, 44-46 | [17] 1. Kor 14,4 | [18] 1. Kor 14,14 | [19] 1. Kor 14,2 | [20] Dto. | [21] 1. Kor. 14, 15 | [22] 1. Kor. 14,18 | [23] 1. Kor. 14,19 | [24] 1. Kor. 12, 10 | [25] Johannes 20,22 | [26] Psalm 34, 8